Wie Amazon durch die Buchpreisbindung subventioniert wird

Der nachfolgende Artikel erschien erstmals am 29.12.2013 und wurde zuletzt am 06.11.2016 durch die Einfügung aktueller Zahlen überarbeitet.

Durch das Buchpreisgesetz sind die Verlage gesetzlich verpflichtet den Endpreis ihrer Bücher incl. Umsatzsteuer (7%) festzulegen. Aus diesem Grund gibt es keinen Preiswettbewerb beim Verkauf. Beim Einkauf gibt es jedoch keine vorgegebenen Preise. Die Verlage müssen mit ihren Kunden (Buchhändler, Großhändler oder aber große Internethändler wie Amazon) die Preise aushandeln. Hier kommt es also auf die Marktmacht an – so wie (fast) überall in der Wirtschaft. Der Unterschied: Ein Discounter wie Aldi hat zwar eine große Marktmacht, gibt einen Großteil seines Einkaufsvorteils aber an den Verbraucher weiter. Im Buchhandel ist dies nicht der Fall.

Während größere Buchhändler einen Rabatt von etwa 40% durchsetzen können, erreicht Amazon etwa 50% + 5%. Bei 50% gibt es wiederum eine gesetzliche Deckelung; „5%“ sind daher versteckte, verhandelte Zusatzleistungen, die der Verlag für Amazon, i.d.R. aber nicht für Buchhändler erbringen muß (Lagerkosten auch für Durchlaufposten). Wird ein Einkaufsvorteil von nur 10%-Punkten unterstellt, ergibt sich hieraus ein wertmäßiger Einkaufsvorteil von aktuell über 200 MioEuro p.a. (Buch-Umsatz Amazon 2014: 2,2 MrdEuro) mit steigender Tendenz. Der Marktanteil am gesamten deutschen Buchmarkt lag bereits 2012 bei etwa 20%, so der Buchreport. Inclusive 2016 dürfte Amazon seit seinem Markteintritt in Deutschland rund 1,5 MrdEuro günstiger eingekauft haben als die anderen Buchhändler. Da Einkaufsvorteile in einem preislich wettbewerbsintensiven Markt (der Buchmarkt ist dies gerade nicht) zu einem Großteil weitergeben werden müssen, dürfte Amazon durch die Buchpreisbindung deutlich über 1 MrdEuro gewonnen haben.

Korrekterweise muß hervorgehoben werden, dass das Gros der Buchhändler von der Buchpreisbindung sicherlich auch profitiert (bei einem Preiswettbewerb hätten sie erst recht keine Chance – Amazon hätte sicherlich aber Ertragsprobleme, da es immer einige „Verrückte“ gibt, die bis zu ihrer Insolvenz besonders günstig sein wollen). Amazon bietet für die Verlage auch Vorteile (keine Forderungsausfälle, weniger Retouren). Aber wie schaut es mit den Einzelhändlern anderer Branchen aus? Für diese ist die Subventionierung von Amazon sicherlich von Nachteil. Denn Amazon ist ein Unternehmen, das permanent neue Geschäftsfelder besetzt und expandiert statt Gewinne an Aktionäre auszuschütten. Vor diesem Hintergrund kann davon ausgegangen werden, dass Amazon die als Folge der Buchpreisbindung generierten Mittel zulasten örtlicher Spielzeug-, Haushaltswaren-Händler etc. investiert. Die bereits eingetrene bzw. noch anstehende Verödung der Ortskerne von Klein- und Mittelstädten ist somit zum Teil auf die Buchpreisbindung zurückzuführen. (Lt. Wirtschaftswoche 45/2013 verlieren Städte bis 100.000 Einwohner bis 2023 rund 31% ihres Flächenumsatzes.)

Für eBooks gilt ebenfalls die Buchpreisbindung. Hier profitiert Amazon (wie z.B. auch Apple) vom Standort Luxemburg, so dass es nur 3% Umsatzsteuer abführen muß. Der deutsche Buchhändler muß hingegen 19% (der ermäßigte Satz gilt hier nicht) abführen. Per Saldo erhalten Amazon & Co. bei gleichem Preis netto 16%-Punkte mehr.