Warum Miele teurer sein darf – Wolfgang Herrndorf zum Gedenken

Der von mir sehr geschätzte Autor Wolfgang Herrndorf wäre in wenigen Tagen 50 Jahre alt geworden. Nachdem er unheilbar an einem Gehirntumor erkrankt war, startete er das Blog Arbeit und Struktur. In diesem findet sich ein Bekenntnis zu Miele, wie es wahrscheinlich unformuliert 100.000 fach oder mehr gibt. Es kann nur über Generationen aufgebaut werden, ermöglicht dann aber hohe Preise:

„13.3. 2010 10:07

Erster Besuch zu Hause ohne Begleitung, der beruhigende Anblick vertrauter Gegenstände. Die Waschmaschine, die meine Eltern beim Aufenthalt in meiner Wohnung zerstört zu haben glaubten und die mehrere Waschgänge lang nicht tat, was sie tun sollte -, tut es wieder. Einfach so. Miele. Die Maschine wurde noch von meiner Großmutter erworben, ein Waschautomat der 1968er-Baureihe, also aus einer Zeit, als der Mond noch nicht betreten, Borussia Neunkirchen noch in der Bundesliga und das elektronische Signallämpchen nicht erfunden war.

Das mechanische Äquivalent zum Signallämpchen ist die Überschwemmung des Fußbodens, die den Besitzer darauf hinweist, daß das Flusensieb voll ist. Man muß das Sieb dann rausnehmen und entflusen, etwa alle fünf Jahre, was bedeutet, daß dies im Leben des Automatens sieben oder acht Mal geschah, und ich erinnere mich, wie gerührt ich immer beim Entflusen war: wie die Zeit vergeht. Die Maschine wurde nie gewartet und war nie defekt. Die vollständige Aufschrift lautet: MIELE AUTOMATIC W 429 S.“

Wolfgang Herrndorf hat sich 2013, um sein Leiden zu beenden, selbst getötet. Nutzer wie er es war, kämen wahrscheinlich nie auf die Idee eine andere Marke in Erwägung zu ziehen. Als wir vor einem Jahr aus dem Urlaub heimkamen, funktionierte unsere 20 Jahre alte Miele-Waschmaschine nicht mehr. Kurze Überlegung (Stichwort Energieeffizienz) und meine Frau griff zum Hörer des Telefons, rief den örtlichen Miele-Händler an und fragte: „Wann können Sie eine neue liefern?“ Wir dachten nicht eine Sekunde an einen anderen Hersteller.

(Vielfahrern sei „Arbeit und Struktur“ als Hörbuch empfohlen. Nach einigen Minuten der Gewöhnung schafft der Sprecher August Diehl ein Mitfühlen.)