Vor Angst gestorben ist auch gestorben…

… lautet ein Spruch, der auch für das Pricing zutrifft. Aktuelles Beispiel ist m.E. die Diskussion um die drohenden Negativ-Zinsen. Einige Sparkassen überlegen lieber Bargeldbestände in ihren Tresoren zu behalten als an die Zentralbank weiterzuleiten und hierfür Strafzinsen zu zahlen. Grund: Sie haben Angst diese Zinsen (samt Aufschlag) weiter zu verrechnen. Keiner hat den Mut als erster Gebühren für das Aufbewahren der Guthaben zu verlangen. So oder so wird die Angelegenheit Geld kosten. Niemand will der erste sein, der Gebühren erhebt. Kunden, die nicht einsehen wollen, dass die „Lagerung“ von Geld ebensolches kostet, sind nicht fair.

Im Grunde wiederholt sich das Verhalten der Zeitungsverlage, insbesondere der Tageszeitungen. Diese stellen seit Jahren große Teile ihrer Inhalte kostenlos ins Internet. Dies geschah ursprünglich in der Hoffnung auf adäquate Werbeeinnahmen, die so aber nur selten kamen. In der Sackgasse steckend, haben unverändert die wenigsten Verlage den Mut Bezahlschranken auszuprobieren. Dabei ist die Einführung m.E. jetzt wichtiger denn je. Denn neue Dienste wie Blendle sorgen für ein „Rosinen-Picken“ der Leser. Der Blendle-Leser erhält morgens eine kurze Presseschau entsprechend seiner Schwerpunkte und kauft dann die Artikel – aus völlig verschiedenen Zeitungen, die ihm gefallen. 1/3 des Erlöses verbleibt bei Blendle. Mittelfristig kann dies dazu führen, dass die Zeitung in Profit-Center unterteilt wird (Aufwand Sport vs. Erlös Sport etc.) und der Gesamt-Umsatz sinkt. Die Blendle-Gelder gehen zu Lasten der Zeitungen, sofern sie die Käuferzahl nicht adäquat steigern können.

Und die Banken? Bei diesen sehe ich ebenfalls die Gefahr, dass sie einerseits die Mobilität ihrer Kunden überschätzen bzw. deren Fairnis unterschätzen und so langsam immer schwächer werden. Auf der Gegenseite werden sie versuchen weiter zu sparen, so wie dies die Zeitungsverlage getan haben, mit der Konsequenz eines Qualitätsverlustes. So entstehen Abwärtsspiralen.

Wie so oft gilt auch für Zeitungen/ Banken aber auch andere Unternehmen: Lieber weniger Kundschaft/ Absatz, dafür aber bessere Preise.