Schweiz hebt Euro-Mindestkurs auf – was schweizer Unternehmen jetzt tun sollten

Die Franken-Aufwertung um aktuell fast 20% stellt ein ernstes Problem für zahlreiche schweizer Unternehmen dar. Eine einfache Lösung zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit und der Ertragskraft gibt es nicht. Machbar erscheint jedoch ein Mix von Faktoren, von denen der hier zuletzt genannte häufig nicht beachtet wird:
1. Mit der Franken-Aufwertung verbunden sind direkte und indirekte Einkaufvorteile. Einerseits werden im EU-Raum gekaufte Waren günstiger, andererseits sollten schweizer Produkte als Folge des Wettbewerbsdruck bzw. des teilweise Beinhalten von EU-Waren im Preis sinken. Bei einer Wareneinsatzquote von 50% und einem Preisvorteil von 10% könnten fünf Prozentpunkte der Belastung ausgeglichen werden.
2. Diverse Kosteneinsparungen dürften jetzt leichter umsetzbar sein – möglicherweise auch beim Personal.
3. Dass die vorherige Umsatzrendite kaum gehalten werden kann, ist offensichtlich. D.h. ein Teil der (temporären?) Belastungen reduziert sicherlich die Umsatzrendite. Ziel sollte es sein, weiterhin einen Ertrag zu erwirtschaften, der eine weitere nachhaltige Entwicklung des Unternehmens ermöglicht. Die Höhe des Gewinnrückgangs wird maßgeblich vom letzten Faktor ab.
4. Die Verkaufspreis-Optimierung, das Pricing, wird von vielen Unternehmen nicht gelebt. Insbesondere viele KMU legen ihre Preise fest durch Beaufschlagung der Kosten mittels eines Aufschlages. Der Kunden-Nutzen wird dabei ebenso wenig bewertet wie psychologische Faktoren vernachlässigt werden. Beispiel Maschinenbau: Wieso interessiert sich der Kunde für Ihre Maschine? Wegen der Qualität, dem Verbrauch oder der Betriebssicherheit? Ist die Antwort bekannt, kann der Nutzen, den die eigene Maschine bietet, mit dem der Konkurrenz verglichen werden. Eine Bewertung des Kunden-Nutzens auf Basis der Differenz ist möglich.
Beispiel psychologische Faktoren: Viele Kunden kaufen ungern den günstigsten und den teuersten Artikel. Daher sollte der „mittlere Artikel“ die höchste Marge aufweisen.
Zum Pricing kann auch die Berücksichtigung der Wirtschaftskraft der Zielregion gehören. In Deutschland gibt es beispielsweise Gebiete mit einer Kaufkraft, die doppelt so hoch ist wie die in den ärmeren Gebieten.
Zusätzlich zu diesen Beispielen gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten die Erlöse situativ und indivduell zu erhöhen bzw. die Preise zu differenzieren.
Mittels Pricing kann die Umsatzrendite um mind. 3% gesteigert werden; 5% sind ebenfalls denkbar. Investitionen sind nicht notwendig, eine Beratung durch den Verfasser dauert i.d.R. nur 3-4 Tage (Kontakt).

Wechselkurseffekte Yen – wie hätten Sie gehandelt?

Anlässlich der Unternehmerkonferenz der Bayerischen Sparkassen wies Dr. Jürgen Michels, der Chefvolkswirt der BayernLB, auf etwas Interessantes hin: Obwohl der Yen um bis zu 25% an Wert verloren hat, ist die Arbeitslosenquote der Export Nation Japan nicht nennenswert gesunken. Der Grund: Die Unternehmen haben ihre Preise entsprechend angehoben. In der Währung des Importeurs gemessen (z.B. Euro) gab es folglich keinen Preisrückgang.
Wie hätten Sie reagiert? Von Unternehmern höre ich immer wieder „Wir fakturieren in Euro, die Wechselkurse stellen kein Risiko dar.“ Dies mag zwar stimmen, aber was wäre, wenn der Yen gestiegen wäre und ein deutsches Unternehmen exportiert nach Japan? Dann wäre es fahrlässig, die Preise in Euro nicht (teilweise) anzupassen.