Werbesprüche/ Claims, die dem Konsumenten auf einen höheren Preisanker einschwören

Marketing ist eigentlich nicht mein Gebiet. Interessant wird es, wenn der potenzielle Kunde beim Erstkontakt, also bevor er nach dem Preis schaut, mittels entsprechender Kommunikation seinen Preisanker höher setzt. Hier einige Beispiele, die in der Folge fortgesetzt werden sollen:

Mercedes: Das Beste oder nichts
Schwartau: Das erste Extra des Tages
Wella: Weil Sie es sich wert sind
Kitekat: Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch. (Impliziert, dass kein Katzenfutter gekauft wird, sondern etwas für sich selber.)
Werther´s Original: Weil Du etwas ganz Besonderes bist
Perwoll: Damit es Schmusewolle bleibt (Impliziert, dass es die teuere Kleidung „rettet“.)

Ein Teil von diesen und zahlreiche andere Slogans finden Sie hier (Link).

Fair-Pricing – auf den psychologischen Preisanker kommt es an

Ich propagriere i.d.R. möglichst hohe Preise, weise hierbei aber auf zwei Preisbarrieren hin:
1. Ein hoher Preis nutzt nichts, wenn keiner mehr kauft.
2. Ein hoher Preis mindert den nachhaltigen Erfolg, wenn der Kunde sich übervorteilt fühlt. Wer beispielsweise bei großer Hitze mit seinen Kindern spazierengeht und an einer Eisdiele vorbeikommt, die für die Kugel deutlich mehr als das Übliche verlangt, kauft seinen Kindern zwar ein Eis, wird in Zukunft aber seine Route so wählen, dass er nicht mehr an dieser Eisdiele vorbeikommt.

Diese Tage, bei einer Urlaubsreise mit der Familie hatte ich ein interessantes Erlebnis i.S. Selbstreflektion und Fair Pricing. Mittags waren wir bei Mc Donalds. Unser kleiner Sohn wählte für 3,99 Euro das umfangreiche „Happy Meal“-Menue. Dieses enthält:
– Pommes
– 4 Chicken McNuggets
– 1 Soft-Drink
– 1 Frucht-Klick (gibt den Anschein des Gesunden)
– 1 Buch (alternativ Spielzeug)

Wie erwähnt, für 3,99 Euro ein absolut fairer Preis – subventioniert durch die Käufe der Eltern bei McCafé… (jeder Café kostete über 4 Euro)

Abends dann der Schock: Typische Autobahn-Raststätte. Der abgebildete Teller Pommes Frites kostete 3,49 Euro + 0,39 Euro für Ketchup + 2,49 Euro für eine Fanta, d.h. eine geringere Leistung und schlechtere Qualität als bei McDonalds kostete 6,37 Euro. Trotz Kenntnis der Zusammenhänge (seit der Privatisierung der Raststätten müssen die Pächter horrende Mieten zahlen) war ich emppört.

Teuerer Pommes-Teller bei einer BAB-Raststätte

Teuerer Pommes-Teller bei einer BAB-Raststätte

Die Empörung hielt solange, bis meine Frau und ich Kaffees für je 3,49 Euro orderten. Da kam ich ins Grübeln: Ist die (allerdings ungesunde) Ernährung des Kindes nicht so viel wert wie ein Kaffee und überhaupt: Der Wareneinsatz bei den Pommes Frites dürfte ein wenig höher als beim Kaffee sein. Aber wieso akzeptieren wir grundsätzlich einen Kaffee-Preis von 3 oder 4 Euro, nicht aber einen Pommes Frites-Preis in dieser Höhe? Ganz einfach: Weil unser Kopf im Gedächnis Vergleichspreise heranzieht, die als Preisanker dienen. Wer vorher bei McCafé über 4 Euro gezahlt hat, akzeptiert 3,49 Euro für einen Kaffee wesentlich leichter als den gleichen Betrag für Pommes Frites. Die Bedeutung des Preisankers sollten Sie sich daher stets bewußt sein.

Ich kenne übrigens Menschen, die lange Zeit auf eine Handtasche von Hérmes warten, für diese einen Preis von mehreren 1.000 Euro zahlen und akzeptieren, dass Hérmes mit ihrem Geld hohe Gewinne erzielt, aber mit dem Handwerker um jeden Cent streiten. Auch hier spielt der hinterlegte Preisanker eine Rolle („Luxus/ Qualität hat seinen Preis“ / „Bei Handwerkern muß man aufpassen“).