Warum eine geringe jährliche Preiserhöhung den Ertrag mehr stärkt als eine hohe nach mehreren Jahren

Einen Neukunden mit geringer Umsatzrendite fragte ich diese Tage, wie er denn die Preise erhöht. Er antwortete „nicht jährlich, aber dafür immer nach einigen Jahren umso stärker. Das gleicht sich aus.“ Offenbar ist ihm das Gesetz des kumulativen Wachstums nicht bekannt (siehe diesen Beitrag).
Um den Effekt nochmals zu verdeutlichen hier zwei Beispielrechnungen. In beiden Beispielen wird vom gleichen Verkaufspreis zu Beginn der Zeitreihe ausgegangen. Die Kosten erhöhen sich jedes Jahr um 1%. Ziel ist hier keine Erhöhung der Umsatzrendite (dies wäre der zweite Schritt), sondern das Sichern der bestehenden Umsatzrendite. Bei Beispiel 1 (Preiserhöhung erst nach vier Jahren) ist dies nicht möglich, bei einer jährlichen Preiserhöhung analog der Inflation sehr wohl:
Regelmäßige Preiserhöhung erhöht den Gewinn
Und: Eine Preiserhöhung um gleich 4% durchzusetzen ist ungleich schwerer als eine jährliche geringe. Es mag zwar fair erscheinen nach einigen Jahren der Preisstabilität die Preise umso deutlicher anzuheben, die Hemmschwelle für den Kunden andere Anbieter anzufragen sinkt dennoch. Bei 4% lohnt sich die Arbeit für ihn wesentlich eher als bei 1% (zumal der Unternehmen im Hinblick auf die anstehende Preisverhandlung hoffentlich 6% mehr fordern würde). Ein Nebenaspekt ist der Vergleich der Umsatzrenditen im Jahr 4: Beim Beispiel 2 liegt diese geringfügig über der des Beispiel 1. Aber: Bereits bei einer Inflationsrate von 2% lägen Welten zwischen beiden Varianten: Beispiel 1 käme auf eine Rendite von 2,7%, Beispiel 2 bei einem Verkaufspreis von 108,24 Euro (Zinseszins-Effekt) natürlich unverändert auf 5%.