Die Bedrohung bestehender Preismodelle am Beispiel der Premium-Autohersteller vs. Google

Im Manager Magazin 11/14 war ein interessanter Artikel zur Zukunft der Autohersteller. Ein großes Thema sei das autonom (selbst) fahrende Auto und die große Sorge der heimischen Kfz-Hersteller vor Google. Nicht das Google selber ein Auto auf den Markt bringen würde, sondern vielmehr seine Technik kostenlos allen Autoherstellern zur Verfügung stellen könnte. Das Motiv von Google läge darin den Autofahrern Zeit für die Internet-Benutzung zur Verfügung zu stellen, so dass diese die Google-Anzeigen anklicken können. Die Konsequenz für die ohnehin durch die strengen Umweltauflagen gebeutelten Autohersteller (sie müssen viel in die Reduktion des Flottenverbrauchs investieren): Ihre Forschungsausgaben Autonomes Fahren könnten sie nicht in höheren Preisen umsetzen.

Hinzu kommt, dass sich der Kundenutzen zunehmend verschiebt: Statt das technisch perfekteste Auto wünscht er sich ein emotionales Erlebnis. Aus diesem Grund dürfte Audi mit seinem neuen A 3 Elektro Probleme bekommen: Tolle Technik, aber kein sichtbar anderes Äußeres – im Unterschied zum i 3.

Zum Rocket Internet-Börsendebüt: Wie ich das erste Opfer von Samwers Blitzkriegen wurde

1998 erlebte ich anlässlich eines Sprach-Urlaubs in der Bay-Area die Euphorie um das Börsendebüt von eBay. Da es in Deutschland seinerzeit noch keine Internet-Auktion gab, beschloss ich eBay zu imitieren. Hierfür erwarb ich eine fertige amerikanische US-Software für einige 1.000 Dollar. Nach der mühseligen Übersetzung von Dutzenden englisch-sprachigen Seiten ins Deutsche stellte ich fest, dass keiner als erster Artikel in eine Auktion stellen mag. So fotografierte ich meinen Hausrat und bot alles feil, was ich hatte. Das Ganze geschah spätabends und am Wochenende – denn mein Job als Unternehmensberater machte mir auch damals viel Spaß, weshalb ich ihn nicht aufgeben wollte. (Vielleicht war ich auch nur nicht konsequent genug.)
Allerdings kam es nicht zum erhofften Zuspruch. Da die meisten der noch relativ wenigen Internet-Benutzer Online-Auktionen nicht kannten bzw. nicht als erste dabei sein wollten, hielt sich die Resonanz in argen Grenzen. Zudem betrat mehr oder minder zeitgleich mit Alando ein sehr professionell geführter Wettbewerber den Markt. (Vermutlich hatten mich die Samwer-Brüder, die Alando-Gründer, gar nicht auf ihrem Radar.) Gegen deren Professionalität und Vermarktungsmaschine hatte ich keine Chance. Das Ganze lief übrigens unter „Gebraucht-Auktion.de“
Mit dieser Erkenntnis beschloss ich das Geschäftsmodell zu ändern: Statt selber eine Web-Site zu betreiben wurde die übersetze Software in Deutschland vertrieben. Als Name wählte ich etwas sperrig „Great Southern Auktions-Software“ (eine Anspielung auf ein Lied von Icehouse und meinem Wohnsitz in München) Hierbei machte ich in der Folge einige interessante Erfahrungen:
1. Ich hatte keine Ahnung, welchen Preis ich nehmen sollte – Pricing gab es noch nicht. Mehr aus dem Bauch heraus legte ich m.W. 3.000 DM fest.
2. Die ersten Interessenten zögerten und wollten – wenn überhaupt Kaufbereitschaft bestand – Preisnachlässe, da noch keine Referenzen genannt werden konnten. Lösung: Ankündigung einer Preiserhöhung in vier Wochen auf 4.500 DM. Nun kauften die Zögerlichen und ich hatte Referenzen.
3. Die ersten Käufer dieser „neuen“ Technologie waren die Professionellsten. Sie kauften und ich hörte nichts mehr von ihnen. Je später ein Käufer kam, desto mehr fragte er nach und hatte Schwierigkeiten bei der Implementierung. (Eigentlich keine Überraschung: Wer glaubt als 100 + xter Geld mit der gleichen Sache verdienen zu können wird nicht unbedingt ein Überflieger sein.)
4. Schwierigkeiten der „Old-Economy“ mit meinem Geschäftsmodell. Mit den US-Entwicklern der Software hatte ich ein Lizenzmodell vereinbart. Für jede verkaufte Software erhielten sie eine Vergütung – Abrechnung via Kreditkarte. So wurde schnell mein Kreditkarten-Limit erreicht. Meine Hausbank hatte – trotz Angebots der Barhinterlegungen – Schwierigkeiten zu verstehen, warum ich in meinen jungen Jahren ein deutlich 5-stelliges Kreditkarten-Limit wünschte. Nach Telefonaten mit der Zentrale ging es dann doch.
5. Der Preiswettbewerb: Im Laufe der Zeit kamen andere Anbieter auf den Markt, die sich zum Teil unter Wert verkauften (z.B. 200 DM) oder aber neue Preismodelle erfanden (monatliche Gebühr etc.)

Nach einiger Zeit beendete ich die Aktivitäten – um einige Erfahrungen und ein wenig Geld reicher.