Luxuskonzern Hermès: Konsequente Preisstrategie

In der Süddeutschen vom 27.03.2017 erschien ein interessantes Interview mit dem Chef des Pariser Luxus-Konzerns Hermès. Dessen Handtasche „Birkin Bag“ kostet ab 5.000 Euro und hat lange, lange Lieferzeiten. Auf Grund der Qualitätsanforderungen an das Handwerk und das verfügbare Leder kann die Fertigung kaum erhöht werden. Höhere Preise wären daher naheliegend. Doch lehnt Hermès diese ab, da sie nicht zu Hermes passen würden, die für jedes Produkt die gleiche Marge nehmen würde. Der Schwarzhandel (die Taschen werden im Internet über ihren Normal-Preis angeboten) sei zwar ärgerlich, aber kein Grund zur Preiserhöhung.
Fazit: Hermès nimmt ohne Zweifel hohe Preise und verdient sehr gut, versucht aber nicht das gesamte Preispotential auszuschöpfen. Der nachhaltige Erfolg ist wichtiger.

Internet-Handel im Verdacht Verkaufspreise nach Betriebssystemen zu variieren

Dieser Blog ist kein Verbraucher-Portal, daher wird der Vorwurf, dass u.a. auch Amazon die angezeigten Preise den Betriebssystemen der Kunden anpasst nicht kritisiert. Im Detail geht es darum, dass z.B. Amazon die Verkaufspreise nicht nur mehrmals täglich ändert (vgl. Tankstellen), sondern auch davon ausgeht, dass der finanzielle Status z.B. eines iPhone-Nutzers höher ist als der eines mit Android-Betriebssystems. Dieser leicht sozialistische Ansatz wird vom Verfasser regelmäßig auch im B2B-Geschäft verfolgt. Grundsätzlich ist beispielsweise davon auszugehen, dass wachstumsintensive Firmen weniger preissensibel sind als solche, die sich in der Krise befinden.
Zurück zu Konsumenten als Kunden: Weitere Formen des Dynamic Pricing können bei den Tageszeiten der Bestellung wie auch dem bisherigen Bestellverhalten/ – volumen festgestellt werden. Wenn jemand den Großteil bei einer Website einkauft, kann deren Betreiber davon ausgehen, dass der Kunde womöglich bequem ist oder gar keine Preisvergleiche mehr vornimmt. In beiden Fällen wird er die Preise erhöhen. Dynamic Pricing kann somit im Widerspruch zu Fair Pricing stehen.

Online-Händler tricksen bei Rabatten – zumindest in den Niederlanden

Das Handelsblatt (Print) v. 21.11.2014 verweist auf eine Untersuchung, nach der Saison-Artikel in der Neben-Saison zunächst im Preis hochgesetzt werden, um dann – bisweilen auf ein noch hohes Niveau – reduziert zu werden, um so mit Rabatten werben zu können. Bei der Online-Tochter des Ahold-Konzerns sollen gar 70% der Angebote gar keine echten Angebote sein.
Fair Pricing wird sicherlich anders definiert.

Internet: Vor- und Nachteile für die Preisgestaltung – Möglichkeit neuer Preismodelle

Die Nachteile des Internets auf die Preisgestaltung sind hinlänglich bekannt. Durch die erhöhte Transparenz (Preisvergleichsportale, Barcode-Scanner in der Amazon-App) sind die Möglichkeiten der Preisgestaltung begrenzt. Weniger bekannt sind die Vorteile, die das Internet bietet. Gemeint sind hier nicht etwaige Kosteneinsparungen (Stichwort Logistik), sondern die Möglichkeit der Schaffung zusätzlicher Erlöse. Offensichtlich wird dies bei den Fluggesellschaften: Neben variierenden Sitzplatzpreisen („Dynamic Pricing“) je nach Nachfrage (Uhrzeit) berechnen diese Aufschläge für gewünschte Flexibilität (Umbuchung), Sitzplatzreservierung, Zahlungsmethode und Gepäck. Sicherlich sind des grenzwertig viele Aufschläge (Stichwort „Fair Pricing“ – der Kunde darf sich nicht übervorteilt fühlen).
Das Preismodell „Grundpreis + Extras“ ist ebenso wie der variierende Preis auch auf andere Branchen übertragbar. Denkbar erscheinen z.B. Garantieverlängerungen, Ersatzteilpaket etc.
In Zukunft werden zudem Individualisierungen an Bedeutung gewinnen. Durch 3-D-Drucker werden z.B. Schuhe kundenindividuell gefertigt werden können, so dass Aufschläge für Individualisierungen möglich sein werden. Per Saldo bietet das Internet eine große Zahl an positiven Möglichkeiten für die Preisgestaltung. Die Kosten der Umsetzung (Programmierung, Investitionen) sind aber nicht unerheblich.