Pricing und das Gesetz des kumulativen Wachstums (Thomas Piketty: Das Kapital im 21. Jahrhundert)

In seinem vielbeachteten und gelobtem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ widmet sich Thomas Piketty ausführlich statistischen Effekten. Sehr interessant sind hierbei seine Ausführungen zum Gesetz des kumulativen Wachstums. Dieses besagt, dass selbst kleinstes Wachstums im Laufe der Zeit eine hohe Auswirkung hat. Ein Wirtschaftswachstum von 1% entspricht während 1.000 Jahre einer 20.000-Fachung der Wirtschaftsleistung. Vereinfacht ausgedrückt „Kleinvieh macht auch Mist“.
Bezogen auf das Thema Pricing höre ich immer wieder von neuen Kunden, insbesondere von ertragsschwachen, dass sie gewöhnlich die Preise entsprechend der Inflation erhöhen, aktuell aber auf Grund des starken Wettbewerbs/ Preisdrucks auf eine Preiserhöhung verzichten. Ich gehe dann davon aus, dass dieser Verzicht im aktuellen Jahr nicht das erste mal stattfand. Unterstellen wir, dass ein Unternehmen während 10 Jahre nur dreimal die Preise um jeweils 1% unter dem Anstieg der eigenen Kosten erhöht hat, ergibt sich sogleich eine Margen-Verschlechterung von 3%. Diese betrifft nicht nur ein Jahr, sondern kann für die Zukunft fast fortgeschrieben werden, da derartige Unternehmen selten die Kraft aufbringen einmal mehr durchzusetzen als sie selber „drauflegen“ müssen. D.h. nach 10 Jahren summiert sich der Ertragsverlust auf über 15% eines Jahres-Umsatzes. Und dies bei Unternehmen, deren Umsatzrendite häufig bei (deutlich) unter 5% liegt. Die Konsequenzen sind leicht absehbar – auch im Hinblick auf den Unternehmenswert, wenn sich einmal die Nachfolgefrage stellt.
Dies zeigt, wie wichtig konsequentes Pricing ist.