Möbelbranche: Ein schwieriger Fall

Anlässlich der aktuell stattfindenen Messe IMM berichten die Medien über die Branche. Lt. Handelsblatt kam es 2013 – trotz guter Konsumentenstimmung – zu einem Umsatzrückgang in Höhe von 3,5%. Lt. Süddeutscher ist der Absatz aber gestiegen, so dass die Preise gesunken sein müssen.

Hierfür gibt es plausible Erklärungen: Einerseits werden die heimischen Hersteller durch polnische Fertiger bedrängt, die – offenbar dank großzügiger EU-Förderungen – günstiger produzieren können und über den Preis Marktanteile in Deutschland gewinnen. Andererseits kommt es zu einer Konzentration der großen Möbelketten, die durch den Bau immer größerer Möbelhäuser beachtliche Kapitalkosten bedienen müssen und somit wohl für jeden Deckungsbeitrag dankbar sind. Wer aber in Deckungsbeiträgen denkt, vernachlässigt die Preise.

Nun merkt die Branche, dass „ständige Rabattaktionen in den großen Möbelhäusern (…) beim Kunden den Verdacht wecken, die Preise seien nicht ehrlich“. (…) „Das Billigimage der großen Händler schrecke kaufkräftige Kunden inzwischen ab“, so im Handelsblatt zitierte Vertreter der Branche. Ich denke, dies stimmt absolut. Hinzu kommt womöglich noch der Deflationsgedanke: Wenn alles billiger wird, warum heute kaufen und nicht noch abwarten?

Allerdings verzeichnen große Möbelhäuser, die auf Rabattaktionen verzichten Umsatzeinbußen. Versuche mit Innovationen zu punkten sind zum Teil erfolgreich, teilweise aber nicht.

Vor diesem Hintergrund sind etwaige Erweiterungs- oder Ersatzinvestitionen kritisch zu hinterfragen. Dies gilt insbesondere für Erweiterungsinvestitionen, da sich dann das „Hamsterrad“ nur schneller drehen dürfte. Es gibt immer wieder Branchen, die sehenden Auges in ein offene Messer laufen. Die Möbel-Branche kann hierzu gehören.

Der Möbelhandel ist trotz aller Rabatte sehr professionell in der Preisgestaltung: Bei geringerer Nachfrage offerien die eigenen Restaurants sehr günstiges Essen und locken so Besucher ins Haus, die dann häufig auch einige der Haushalts- oder Dekorartikel kaufen mit denen der Eingangs- und Kassenbereich gefüllt ist. Geschicktes Pricing ist auch hier alles.