Industrie 4.0 wird die Verkaufspreise senken

Kürzlich saß ich mit dem Geschäftsführer eines Industrie 4.0-Unternehmens in einem Café. Der Ober nahm die Bestellung sehr umständlich in sein Tablet auf, das sicherlich mit der Theke verbunden war. Der Geschäftsführer runzelte die Stirn und sagte „Mit einem Notiz-Block ging es schneller.“ Ich erwiderte augenzwinkernd: „Das haben wir von Industrie 4.0.“
Was aber bekommen wir von Industrie 4.0? Hört man die Protagonisten, sind Produktivitätssteigerungen zwischen 30% bis 50% absehbar. In anderen Worten: Es kann in der Fertigung auf einen zweistelligen Prozentsatz an Mitarbeitern verzichtet werden – außer Deutschland exportiert noch mehr als bisher und absorbiert so ausländische Arbeitsplätze.
Dies wäre ein volkswirtschaftlicher Aspekt. Betriebswirtschaftlich kommt es sicherlich zu einer Minderung der variablen Kosten (Personal) und zu einem Anstieg der fixen Kosten (EDV-Systeme) bzw. zu einem Absenken der Herstellkosten in Summe. Es ist naheliegend, dass diese Entwicklung mittelfristig die Verkaufspreise mindern wird. Bei Investitionsentscheidungen sollten dies berücksichtigt werden, d.h. die heutigen Margen werden sich vermutlich nur teilweise fortschreiben lassen.

Dieser Aspekt wurde mir die Tage auch beim Gespräch mit einem modernst ausgestatteten Blechbearbeiter verdeutlicht: Dank Verknüpfung aller Systeme hätte er heute praktisch keine Rüstzeiten mehr. Bietet er auf kleine Losgrößen an, kalkuliert er – im Bewußtsein, dass seine Wettbewerber nicht so modern sind und diese effektiv haben – Rüstzeiten mit ein.
Was passiert aber, wenn die Wettbewerber ebenfalls keine Rüstzeiten mehr haben? Sie werden sukzessive nicht mehr einkalkuliert, so dass der Verkaufspreis tendenziell sinken sollte.

Ein anderer Aspekt wird die fortschreitende Marktdurchdringung der 3D-Drucker sein. Im Grunde werden mit diesen neue Kapazitäten aufgebaut. Unternehmen, die zuvor in kleinsten Losgrößen gefertigt haben, werden gegenüber den 3D-Druckern das Nachsehen haben. Was werden Sie machen? Mit denen konkurrieren, die etwas größere Losgrößen haben. Kleinere Deckungsbeiträge werden vermutlich bereits akzeptiert.