Gedanken zur Bezahlschranke der Süddeutschen Zeitung

Ende März will, so Presseberichte, die Süddeutsche Zeitung ihr Internet-Angebot einschränken und viele Artikel nur noch gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. Diesen Schritt halte ich für längst überfällig. Denn bislang befinden sich die Anzeigenerlöse der Zeitungshäuser i.d.R. nur im einstelligen Mio-Bereich, d.h. sie können den Rückgang der Print-Auflagen und der Anzeigen nicht kompensieren und hinzu kommt die Unverschämtheit vieler Internet-Leser. Die Kommentare beinhalten häufig nicht nur Beleidigungen, sondern häufig auch übelste Kritik an den Redaktionen („Redaktion hat mal wieder übel recherchiert“). So geht es ja eigentlich nicht: Nichts zahlen, aber Ansprüche stellen.
Insofern verwundern mich zwei Aspekte: Viele Print-Medien führen die Bezahlschranke nur zögerlich, verspätet oder gar nicht ein. Sie übertragen ihren intellektuellen Habitus auf ihre Website. Aber macht es i.S. der Differenzierung wirklich Sinn, die großen Themen oben darzustellen und Regionales erst weit unten? Gerade bei lokalen Themen haben die Tageszeitungen Monopole bzw. sind Teil eines Oligopols. Mit diesen Themen dürften sich m.E. am ehesten Geld verdienen lassen. Voraussetzung hierfür ist aber die Nähe zum Menschen, die durch diverse Einsparungen aber wohl teilweise verloren gegangen ist der Verzicht auf elitäres Gehabe. Ein Artikel über die Eröffnung einer Grundschule darf dann mehr Geld kosten als ein Leitartikel des Chefredakteurs.
Eine clevere Bezahlschranke hat die Neue Zürcher Zeitung eingeführt: 10 Artikel im Monat sind kostenlos, danach kostet es Geld. So werden Leser nicht ganz abgeschreckt und zugleich ein symphatische Images geschaffen.