Fracking wird vermutlich die Verkaufspreise ganzer Branchen reduzieren

In den vergangenen Tagen las ich zweite interessante Artikel zu den Konsequenzen des Fracking-Booms in den USA: Lt. Wall Street Journal wird im US-Bundesstaat Louisana ein Energiekomplex auf über 100 ha geplant, der von 66 Industrieprojekten im budgetierten Volumen von 90 MrdDollar begleitet wird. Die Vorteile der günstigen Energiegewinnung werden somit in Produkte umgesetzt. Nicht grundlos wird im Zusammenhang mit Fracking häufig von einer Re-Industriealisierung der USA gesprochen.
In der Handelsblatt-Printausgabe war am 03.06.14 ein Interview mit dem Chef von Dow Chemical, dem weltweit zweitgrößten Chemie-Konzern, abgedruckt. Er meint, dass Europa am teuersten produziere und sich der Unterschied zwischen den günstigen und teuersten Petrochemiestandorten mittlerweile auf etwa 1.000 Dollar je Tonne summiere. Angesprochen auf die Konsequenzen antwortete er: „Viele Firmen werden versuchen, zunächst noch möglichst viel Cash aus ihren Anlagen herauszuholen. Aber es wird keine neuen Investitionen geben. Stattdessen werden Abschreibungen erfolgen und mit der Zeit auch Schließungen.“ Seine Empfehlung: „Europa muß sich entweder billiges Gas beschaffen oder sich aus bestimmten Märkten und Geschäften verabschieden„. Neben der Chemie sieht er auch andere energie-intensive Branchen wie Papier, Stahl und Zement bedroht.
Preislich bedeutet dies, dass derzeit enorme neue Kapazitäten aufgebaut werden, die vermutlich das Nachfragewachstum deutlich übertreffen. Ein Preisrückgang erscheint daher wahrscheinlich. Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass die Herstellkosten massiv sinken.