Wieso Amazon an Preissenkungen verdienen kann

Amazon verlangt sowohl von den eBook-Anbietern wie von den Film-Verleihern deutlich niedrigere Preise, sofern der Transfer digital erfolgt. Der Verbraucher soll hiervon profitieren und mehr konsumieren, wodurch letztlich alle – auch die Verlage – gewinnen würden.

Ich denke, die wahre Motivation von Amazon besteht weniger im Mehrabsatz, sondern in der Umleitung der Kunden-Nachfrage vom Print/ DVD zur digitalen Übertragung. Denn gerade bei niedrig-preisigen Büchern dürften die anteiligen Logistik-Kosten (incl. Kapitalkosten Gebäude/ Einrichtung/ Lager und Lagerarbeiter) einen Großteil der Marge aufzehren. D.h. Amazon dürfte an einer rein digital erwirtschafteten Marge von 5 Euro netto wahrscheinlich mehr verdienen als bei einer Marge für eine Print-Ausgabe von z.B. 7,50 Euro.

Fatalerweise wird so mancher Mittelständler nur die Argumentation „Niedrigere Preise = Mehr-Absatz = Mehr-Ertrag“ übernehmen und sich der Änderung der Prozesse nicht bewußtsein.

Der stationäre Buchhandel hängt sich übrigens an den Stickerboom. Ich denke, eine wirklich gute Abgrenzung zum Online-Handel.

Internet der Dinge: Maybrit Illner-Talk mit dem Autor der Null-Grenzkosten (Jeremy Rifkin)

Der Donnerstag-Abend-Talk (Link zur Mediathek) thematisierte die Gefahren der neuen Internet-Geschäftsmodelle für die etablierten Unternehmen und Branchen. „Stargast“ war der US-Ökonomen Rifkin, der u.a. die Bundesregierung und die EU-Kommission berät. Die „Share-Ökonomie“ (diverse Anbieter tun sich lose zusammen) wird große Teile der bestehenden Wirtschaftsordnung verdrängen. Aktuelle Beispiele: UBER bedroht Taxen, AirBnB bedroht Hotels, lokale und vernetzte Stromerzeuger bedrohen die Energiekonzerne, „Videogemeinschaften“ wie You Tube bedrohen die Fernsehsender, Blogs bedrohen Zeitschriften etc.

Im Manager Magazin 09/14 wird Rifkin interviewt. Dort erwähnt er noch das ersten Open-Source-Auto, das in den USA entworfen und mittels 3-D-Drucker gefertigt werden kann.

Interessant: Lt. Rikin ist UBER keine Börsenbewertung von 17 MrdEuro wert. Denn UBER nimmt 20% Provision und daher besteht z.B. für die Fahranbieter in einer Stadt der Anreiz selber ein App zu programmieren und so die 20% zu sparen.

Alternativ ein Gespräch in der FAZ

Pricing in Zeiten Internet 4.0

Ein amerikanisches Start-up (), forscht an einer Software zur analytischen Bilderkennung der Gesichtszüge der Konsumenten. Diese Auswertungen können dann in die Preisgestaltung einfließen. (Z.B. Kundin schaut nach Preisschild eines Kleides und und ihre Augen leuchten weil sie es günstig findet, impliziert, dass der Preis erhöht werden kann.)

Ich kann mir gut vorstellen, dass Autoverkäufer mit einer Datenbrille, die verdeckt ähnlich den Interessenten analysiert, weniger Nachlaß gewähren müssen.