Wal Mart setzt Roboter für´s Pricing ein

Der amerikanische Supermarkt-Konzern kontrolliert seine Warenbestände in den Läden nun versuchsweise mit Robotern. Diese scannen die Regale um nachzuordern und um Preise anzupassen. Nimmt der Warenbestand zügig ab, werden die Preise erhöht – digitale Preisschilder und Vernetzung ermöglichen Dynamic Pricing. Ein Youtube-Video zeigt das etwas sperrige Gerät:

Industrie 4.0 – Beispiel für eine optische Qualitätskontrolle

Dieser Blog widmet sich auch ein wenig dem Thema Digitalisierung/ IoT/ Industrie 4.0. Ich stehe in Verbindung zum Startup VisCheck. Dessen Software kontrolliert in dem Video ein von einem Kuka-Roboter bearbeitetes Carbon-Teil. Nach kurzer Ansicht des Roboters schwenkt die Kamera auf einen Monitor. Auf diesem fließen die Bilder der Kamera ein, die am Roboter befestigt ist. Mittels der Software wird das Bauteil vermessen und mit dem Konstruktionsplan abgeglichen. Rot bedeutet, dass die Toleranzen überschritten wurden – ein Mitarbeiter sollte sich das Teil noch anschauen, grün bedeutet o.k.

Es versteht sich, dass so die Fertigung beschleunigt werden kann und zudem erhebliche Kosten eingespart werden. Einerseits vielleicht beim Personal, dann aber vor allem, weil ein Mensch i.d.R. zu vorsichtig ist und eigentlich als „grün“ zu markierende Teile als Ausschuss ansieht. Zu hoher Ausschuss bedeutet nicht nur Müll, sondern auch Kosten in Form von Material und verschwendeter Maschinenstunden.

Das Lied zur Digitalisierungs-Skepsis vieler Mittelständler

Durch Zufall bin ich die Tage wieder auf ein fast 20 Jahres altes Lied gestoßen. Das erste Album der Gruppe Tocotronic erschien 1995 und trug – damals sicherlich innovativ – den Titel „Digital ist besser“. Das hier gemeinte Lied „Die neue Seltsamkeit“ stammt aus dem dritten Album der Gruppe, das 1999 unter dem Titel „K.O.O.K“ erschien und keinerlei Bezug zur Digitalisierung hatte.
Einfach den Text auf sich einwirken lassen und an die eigenen Überlegungen zur Digitalisierung denken!

Fazit: Es wird beobachtet, man kann es greifen, aber man handelt nicht um den Status quo nicht zu gefährden. Es wird verdrängt und das Eingeständnis kommt zu spät.
Viel Spaß!

Pricing – Trends

Mit dem Geschäftsführer einer anderen Pricing-Beratung sprach ich kürzlich über die kommenden Trends im Bereich der Preisgestaltung, der Verkaufspreis-Optimierung. Wir haben uns einig, dass neue Technologien zwei Trends maßgeblich beschleunigen werden:
1. Das dynamische Pricing. Mittels digitaler Preisschilder und natürlich vor allem im Internet können die Preise permanent und situativ (nach Tageszeit, Wochentag, Wetter etc.) angepaßt werden.
2. Das personalisierte Pricing. Warum soll jeder gleichviel für ein Produkt zahlen? Heute sehen wir bereits, dass Nutzer von Apple-Betriebssystemen eher mehr zahlen müssen im Internet, dass in Deutschland ansässige Kunden bei Internet-Reservierungen mehr für ein Leihauto in UK zahlen müssen als dort ansässige Kunden. Künftig wird eine Frau, deren Augen beim Anblick eines Kleides leuchten wohl mehr bezahlen müssen als eine Frau, die das Kleid eher gelangweilt betrachtet.

Hierüber haben wir nicht gesprochen: Grundsätzlich sehe ich einen gewissen Preisdruck als Folge der Digitalisierung. Wenn die Produktivität wirklich steigt bzw. Kapazitäten freigesetzt werden, dann wird ein Teil oder gar der Großteil dieses Zusatzertrages an den Kunden weitergegeben werden. Wieso sollten Kapazitäten freigesetzt werden? Nun, wenn Fahrzeuge autonom fahren, werden weniger benötigt, da man jederzeit via Handy ein Auto bestellen kann. Und auch wenn sich das Elektroauto schwer tut, allein ein Marktanteil von 5 oder 10% würden die Hersteller konventioneller Antriebsstränge unter Druck geraten. Wer die Gefahr des Preisdrucks nicht sieht, der möge sich einmal klassische Branchen anschauen, in denen die Nachfrage (stark) zurückgegangen ist (z.B. Druckmaschinen oder auch Druckerzeugnisse). Die Verbreitung der 3-D-Drucker dürfte ebenfalls zu Überkapazitäten führen. Die 3-D-Drucker stehen in Konkurrenz zu klassischen Fertigungsmaschinen, die aber nicht sofort stillgelegt werden, sondern notfalls zu Grenzkosten weiter benutzt werden.

Rückblick auf den Wandel bei der PC-Hardware

Ein Musik-Video verdeutlicht, wie schnell früher gewohntes ausgemustert und in Vergessenheit gerät. Es handelt sich um den Auftritt von Moderator Jan Böhmermann mit der Gruppe „Fettes Brottes“ in seiner Sendung Neo Magazin Royal. Nadeldrucker, Diskettenlaufwerk, schwere Kabel-Tastatur, Schreibmaschine… – wer nutzt sie noch?

Das Video an dieser Stelle ist auch als Warnung gedacht. Die Digitalisierung/ Automatisierung/ Robotisierung wird fortschreiten, wie dieses Video zeigt:

Innovation und Umwegrendite

In den letzten Jahren kamen zunehmend Produkte auf den Markt, deren Preis so günstig ist, dass eine Rendite insbesondere nur mittels Zusatzerlöse machbar ist. Mit Aufzügen und Kopierern fing es wohl an, dann kamen Laserdrucker zu dieser Produktgruppe hinzu und vor einigen Jahren Nestlé mit seinen Nespresso-Kapseln.

Soweit so gut. Jetzt gewinnt in Form des Elektroautos eine Innovation an Bedeutung, bei der eine Umwegrendite nicht so einfach machbar ist. Ein Tesla hat einen weitaus geringeren Verschleiß als ein Wagen mit Verbrennungsmotor. Würde man ein heutiges Auto in Deutschland mit seinen Ersatzteilen nachbauen, müßte man das vierfache des Preises zahlen Auch vor diesem Hintergrund geben Autohäuser Rabatte – sie können sich das Geld später wiederholen. Bei einem Tesla ist dies aber nicht möglich. Für die typischen Tesla-Käufer mag dies egal sein, wenn aber Elektroautos massentauglich werden sollen, scheinen neue Preis-Anreize notwendig. D.h. Herstellkosten auf dem Niveau der Verbrennungsfahrzeuge dürften nicht ausreichen, da die Hersteller der Elektrofahrzeuge nur eine Chance zum Geldverdienen haben – beim Verkauf.

Erste Ansätze neuer Erlösmodelle scheint es zu geben: Tesla verkauft optionale Software-Updates (Zusatzfunktionen wie „Wo parkt mein Auto“). Die Batterie kann teilweise nur gemietet werden. Vordergründig dient dies der Sicherheit des Konsumenten – gibt seine Speicherbatterie den Geist auf, erhält er eine neue – doch letztlich dürfte so eine Zusatzrendite generiert werden können. Tesla strebt zudem statt eigener Autohäuser die Bestellung der Fahrzeuge via Internet oder Agenten an um so die Kosten zu drücken. Kostenlose Stromtankstellen rechtfertigen einen höheren Verkaufspreis, da der Autokäufer sich des wahren Strompreises nicht bewußt ist. Alternativ wird ein Batterwechsel binnen Sekunden geboten. Die Zeitersparnis muß bezahlt werden.

Dieses Beispiel zeigt, dass Innovationen bisweilen auch neue Preis- und Erlösmodelle bedingen.

(Ich weiß, Umwegrendite bezeichnet eigentlich den Ertrag, den z.B. eine Gemeinde indirekt über die Finanzierung touristischer oder kultureller Attraktionen erzielt. Hier wird der Begriff weiter verstanden.)

Digital Due Diligence

In der NZZ am Sonntag v. 03.01.16 wurde die Oxford-Studie thematisiert. Diese besagt, dass in den nächsten 20 Jahren die Hälfte der Jobs als Folge der weiteren Digitalisierung i.w.S. verschwinden wird. Vielleicht wird der Arbeitsplatz-Verlust geringer sein. Fakt ist aber, dass heutige Unternehmen vielfältig mit den Folgen der Digitalisierung zu tun haben werden. Dies gilt auch für Branchen, die bislang „vernachlässigt“ wurden und denen es daher an Sensibilität für das Thema fehlt.

Die Veränderungen können durch neue Wettbewerber oder durch eine geringere Nachfrage als Folge der Share-Economy erfolgen (welcher Haushalt benötigt noch einen Zweitwagen, wenn er dank autonom fahrender Fahrzeuge z.B. BMW DriveNow mittels Handy vorfahren lassen kann); produzierende Unternehmen werden womöglich durch 3-D-Drucker bedrängt werden. Ein Teil der Produktivitätsgewinne wird sicherlich an die Kunden in Form niedrigerer Verkaufspreise (Pricing) weitergegeben.

Da diese Veränderungen sukzessive kommen, sind sie bereits mittelfristig (auf Sicht von 5 Jahren) für Unternehmen relevant und somit eigentlich auch für die Bestimmung des Unternehmensbewertes. Insofern erstaunt es, dass bei Unternehmenskäufen selten eine weiterreichende „Digital Due Diligence“ erfolgt. (Werbung in eigener Sache: Der Verfasser bietet eine „Digital Due Dilligence“ an.)

(Wer den o.g. Artikel liest, staunt nicht, dass der Telekom-Chef Höttges sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen ausspricht. Die Autoren des neuen Standardwerkes „The Second Machine Age“ fordern eine negative Einkommenssteuer.)

Die Thematik wurde in der NZZ am 10.01.16 mit einem Interview mit Erik Brynjolfsson, einem der beiden Autoren von „Second Machine Age“, fortgesetzt.

Die wahren Erfinder des Internets

Da sich der Blog neben dem Pricing der Digitalisierung widmet, ein Video, in dem „Fraktus“ sich als die Erfinder des Internets bezeichnen. Dass „Fraktus“ das Internet erschaffen hat ist neu; bislang war nur bekannt, dass sie „Techno“ kreiert haben.

Anmerkung zum Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung

Auf dem Wirtschaftsgipfel der SZ sprach auch Helene von Roeder, die Deutschland-Chefin der Credit Suisse. Die SZ zitierte sie mit den Worten „Die Digitalisierung fährt uns nicht von A nach B und kocht uns kein Abendessen, aber sie macht Produkte transparenter…“

Mir geht es bei meiner Anmerkung weniger um die sachliche Bewertung ihrer Aussage (Stichwort mobile Autos ermöglichen künftig das Fahren von A nach B dank der Digitalisierung/ der Thermomix TM5 kocht mittels Chip-Karte fast alleine das Abendessen, die derzeit in der Entwicklung stehenden Koch-Roboter werden es dann vollständig selbstständig erledigen), sondern um den Hinweis, dass solche Äußerungen durchaus gefährlich sind. Unternehmer aus traditionellen Branchen mit noch geringem (persönlichen) Bezug zur Digitalisierung werden sich in ihrer Annahme, dass das Thema überbewertet wird, bestätigt fühlen. Vor einigen Wochen war ich Gast des F+E-Kongresses 2015 der Bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber. Die geringe Teilnehmerzahl erklärte ich mir wie folgt: Die innovativen Unternehmen besuchen solche Kongresse nicht, da sie nicht erwarten etwas für sie neues zu hören. Die weniger innovativen Unternehmen fühlten sich gar nicht angesprochen und sollten sie doch ins Grübeln kommen, wird dieses schnell wieder durch Aussagen wie die von Frau von Roeder beendet. Ihre Aussage stellt sozusagen eine Rechtfertigung für das Nichtstun dar.

Die Größten, Erfolgreichsten ihrer Branche sind nur Vermittler

Bei der gestrigen Eröffnung des Zentrums für Digialisierung Bayern wurde darauf hingewiesen, dass das größte Taxi-Unternehmen der Welt (Uber) kein einziges Taxi besitzt. Der erfolgreichste Online-Händler der Welt (Alibaba) verfügt über kein Lager und das größte Content-Portal (Facebook) hat keine Redaktion. (Die Auflistung ließe sich fortsetzen: AirBnB ist m.W. wertvoller als die Hotelketten Hilton & Co.) M.E. mit anderen Worten: Durch die Digitalisierung reicht es, nur einen Teil der Wertschöpfungskette zu besetzen, diesen aber konsequent um fast die volle Marge der gesamten Kette abzuschöpfen.
Durch die Digitalisierung würden Unternehmen, die z.T. seit Jahrhunderten existieren binnen kurzer Zeit an die Wand gedrückt. Stimmt natürlich alles, ist aber bei weitem noch nicht jedem bewußt. Es fängt an mit den Unternehmen, die weiterhin bevorzugt den klassischen Großhandel beliefern.
Der Präsident der TU München bezeichnete bei der Veranstaltung die Bau-Industrie als die Branche, die am rückständigsten i.S. Digitalisierung sei.