Teuerster Föhn der Welt wurde 1 Mio. mal verkauft

Die Wirtschaftswoche meldete, dass der von Dyson hergestellte Föhn bereits 1 Mio. mal verkauft wurde. Ich kenne seine Herstellkosten nicht, doch nehme ich an, dass bei einem Verkaufspreis von 399 Euro doch einiges „hängen“ bleibt.

Dazu passend, da der Schauspieler George Clooney, seine Tequila-Firma für 700 Mio. bis 1 Mrd. Dollar verkauft hat: Ein hoher Verkaufspreis steigert überproportional Marge und Gewinn. Denn der hohe Unternehmenswert bei einem Absatz von nur 1,8 Mio. Flaschen/ Jahr läßt sich nur mit dem Gewinn erklären. Und dieser wiederum nur mit dem hohen Verkaufspreis/ Flasche von mind. 70, teilweise auch 100 Euro (z.B. bei Amazon).

Link zu Clooney-Deal

Nicht eingelöste Gutscheine – das Jochen Schweizer-Geschäftsmodell

Im Manager Magazin 06/2017 wird die Bilanz der Jochen Schweizer GmbH analysiert. Schweizer, bekannt aus der „Höhle des Löwen“, verkauft bekanntlich Event-Gutscheine. Das Ereignis (von Baggerfahren bis Fallschirmspringen) wird von Partnern durchgeführt. Da die Gutscheine i.d.R. verschenkt werden, hätte der Beschenkte sie eigentlich nicht gekauft. Und hierauf setzt Schweizer.
Laut Bilanz 2015 hat Schweizer 12,2 MioEuro aus der Einlösung von Gutscheinen erlöst, aber hohe 19 MioEuro aus dem Verfall anderer Gutscheine. In diesem Fall braucht er seinen ausführenen Partnern natürlich nichts zu zahlen. Diese Quersubventionierung braucht er letztlich auch, macht sein Unternhmen doch Verlust. In Summe sind bislang Verluste in Höhe von 72,7 MioEuro angefallen. Dies ist nicht so schlimm, solange er weiter Gutscheine verkauft. Für diese hat er in Summe Anzahlungen über 107,2 MioEuro in der Bilanz stehen, die er wohl größtenteils – da sie nicht eingelöst werden – nach drei Jahren ausbuchen kann. Dies ist eines der Risiken seines Geschäftsmodells: Die Verlängerung der Eintauschfrist. Ein Gericht hat sie bereits von 2 auf 3 Jahren erhöht.
Fazit: Er kann oder muß gar nicht deckende Preise akzeptieren, wenn er hierdurch Gutscheine verkaufen kann in der Hoffnung, dass diese nicht eingelöst werden.

Pricing-Vorbild MyMuesli mit nächstem Streich

Das Unternehmen, das Müsli zu sehr hohen Preisen, aber in eher kleineren und nicht vergleichbaren Gebinden anbietet, hat ein neues Produkt: „Hipster-Milch“ für sage und schreibe 3,90 Euro/ Liter. Es handelt sich natürlich nicht um Kuhmilch, sondern um Hafermilch. Aber: Diese gibt es heute bereits bei Alnatura für die Hälfte des Preises. Die Strategie von MyMuesli ist eindeutig: Lieber weniger verkaufen, dafür zu hohen Margen.
Link

Markteintritt Amazon Fresh – Optionen aus preislicher Sicht

Seit einigen Tagen liefert Amazon Lebensmittel in Berlin und Umgebung aus. Wie die Süddeutsche schreibt, hebt sich Amazon dabei mit niedrigen Preisen hervor, sofern die Mindestbestellgebühr von 40 Euro eingehalten wird. Welche Optionen haben die Wettbewerber, insbesondere der große stationäre Handel?

1. Preislich mitzuziehen. Aber: Einerseits kann Amazon entgangener Deckungsbeitrag relativ egal sein auf Grund seiner Stärke, der Subvenionierung durch das Buchgeschäft und vor allem seiner geringen Umsätze im Lebensmittel. Es stellt schließlich einen Unterschied dar, ob man bei einem geringen oder einem hohen Umsatz auf den jeweiligen Deckungsbeitrag verzichtet.
2. Die großen Ketten (Rewe, Lidl, Edeka & Co.) könnten ihre Preise nur in Berlin senken. Dann würde aber wohl negative Presse drohen („Rewe in Berlin 20% günstiger als in Hamburg“).
3. Die großen Ketten tun das, was jetzt Lidl macht: Den Lieferanten von Amazon massiv mit Auslistung drohen. Aber: Amazon hat einen sehr guten Ruf und genießt Vertrauen. Zur Not könnte Amazon m.E. auch reine Handelsmarken anbieten. Die Lieferanten würde Amazon bekommen. (Ich war selber mal involviert: Markenhersteller gründete Tochter, die an einem anderen Ort saß und von einem Treuhänder gehalten wurde. Über diese wurden dann Handelsmarken verkauft ohne dass es die großen Ketten nachverfolgen konnten.)
4. „Mobbing“: Nicht gerade fair, aber denkbar: Die Amazon-Lieferwagen beobachten und jedes Falschparken anzeigen. Es geht schließlich um die Existenz.

Lidl und Aldi gehen übrigens derzeit in den USA dreist vor: Sie bauen ihre Filialen bevorzugt gegenüber vom Platzhirschen Wal Mart.

Auf die Marge kommt es an

Nach zwei Beiträgen zur Digitalisierung wird es Zeit, mal wieder einen Blick auf die Preisgestaltung zu werfen. Im Handelsblatt vom 08.05.2017 wurde gleich an mehreren Stellen exemplarisch gezeigt, wei wichtig die Marge ist.
Zu SAP lautete ein Untertitel: „Das Geschäfts des Softwarekonzerns läuft rund, doch die Marge schwächelt“ Was ist passiert: Das forcierte Geschäftsmodell der Cloud bringt zwar bedeutende Erlöse, aber nicht den ganz großen Ertrag.
Eine Seite folgt ein Artikel über den Braukonzern AB-Inbev. Der Titel: „Mission Marge“. Hintergrund: Die für das Deutschland-Geschäft wichtige Marke „Beck´s“ wurde zu sehr verramscht. „Durch die Niedrigpreise droht ein schleichender Image-Verlust.“
Hier komme ich wieder ins Spiel. Immer wieder erlebe ich, wie ein Mittelständler ziemlich schnell zum Jahreswechsel den vom Kunden gewünschten Bonus gewährt oder zumindest einen Teil des Wunsches erfüllt. Wenn dies vorher nicht vereinbart war, geht diese Schwäche zu Lasten des Images.

Preiswahrnehmung am Beispiel der Geldabhebegebühren der Sparkassen

40 Sparkasse haben beschlossen Gebühren für das Geldabheben zu nehmen. Der Aufschrei in den Medien und bei den Kunden war gross. Wie der Vorstandsvorsitzende der bayerischen Sparkasse Erding-Dorfen, Joachim Sommer, zutreffend sagte, hat das Geldabheben schon immer Geld gekostet – bislang allerdings nur den Sparkassen/ Banken (Kosten des Bankautomaten/ der Filiale, Geldtransport etc.).
Was lehrt dieser (ungerechtfertigte) Aufschrei? Quersubventionierungen sind problematisch. Denn sind sie nicht mehr möglich, entsteht eine äußerst schwierige Situation. Die Kunden haben sich an die kostenlose Leistung gewöhnt und akzeptieren wohl vor allem emotional nicht die Einführung von Gebühren bzw. bei anderen Produkten Preise (Beispiel Park & Ride: Häufig kostenlos, dann Parkplatzgebühr). Eigentlich ist dies ein gutes Beispiels dafür, dass Fair Pricing nicht immer gewünscht ist.
Ironie des Schicksal: Am gleichen Tag, an dem sich Sommer im Münchner Merkur rechtfertigte, berichtete dieser über einen Kunden der Postbank, der sich über den desaströsen Zustand des Postbank-Parkplatzes beschwerte. Wo soll das Geld herkommen?

Luxuskonzern Hermès: Konsequente Preisstrategie

In der Süddeutschen vom 27.03.2017 erschien ein interessantes Interview mit dem Chef des Pariser Luxus-Konzerns Hermès. Dessen Handtasche „Birkin Bag“ kostet ab 5.000 Euro und hat lange, lange Lieferzeiten. Auf Grund der Qualitätsanforderungen an das Handwerk und das verfügbare Leder kann die Fertigung kaum erhöht werden. Höhere Preise wären daher naheliegend. Doch lehnt Hermès diese ab, da sie nicht zu Hermes passen würden, die für jedes Produkt die gleiche Marge nehmen würde. Der Schwarzhandel (die Taschen werden im Internet über ihren Normal-Preis angeboten) sei zwar ärgerlich, aber kein Grund zur Preiserhöhung.
Fazit: Hermès nimmt ohne Zweifel hohe Preise und verdient sehr gut, versucht aber nicht das gesamte Preispotential auszuschöpfen. Der nachhaltige Erfolg ist wichtiger.

Tengelmann ist im Schnitt um 20% teurer

Dieser hohe Wert zeigt einerseits den Preiswettbewerb in der Branche und andererseits aber auch, dass Renovierungsstau und hohe Preise nicht zusammenpassen. Bei einzelnen Artikel läge der Durchschnittspreis bei Tengelmann leicht um 60% über dem von Aldi oder Lidl. Klar, die Differenzen bei Milch werden geringen sein.
Interessant wird, wie weit die Preise nach einer Übernahme gesenkt werden. Denn die heutigen (zu wenigen) Stammkunden haben sich offenbar an die hohen Preise gewöhnt. Wenn diese durchgehalten werden können, dann aber die Einkaufsmacht und Logistik des neuen Eigentümers hinzukommt, werden die Margen steigen.

Die Mutigen verdienen Geld

Gestern Abend war Kai Diekmann (langjähriger Chef-Redakteur der Bild und seit Jahresanfang deren Herausgeber) Gast in der Universität der Bundeswehr Neubiberg (Landkreis München). Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Qualitätssache – Medien auf dem Prüfstand“ werden führende Medienleute von Siegmund Gottlieb interviewt. Diekmann erzählte auch von dem Moment als „Bild“ die Einführung von Bezahldienste angekündigt hat („Bild +“). Vertreter anderer Verlage meinten, dies könne nicht gutgehen, da Informationen im Internet freizugänglich wären und die User abwandern würden. Heute hat Bild im Internet mehr zahlende Abonnenten als die Print-Ausgabe der Süddeutsche.
Dieses Beispiel sollten sich insbesondere kleinere Mittelständler einprägen: Diese haben, so scheint es mir, oftmals zu viel Angst die Kunden zu verschrecken und verzichten daher auf Preiserhöhungen, einen angemessenen Preis an sich oder die Weiterbelastung von eigenen, auf Kundenwunsch (B2B) entstandenen Mehraufwendungen.
Was Diekmann sonst noch sagte: U.a. dass seine Kunden im Internet sich völlig von denen der Printausgabe unterscheiden. Nicht nur vom Alter her (klar), sondern auch vom Bildungsgrad (50% der Online-Leser haben zumindest Abitur). Und – von wegen Zeitungssterben – nie zuvor war die Reichweite der „Bild“ so groß wie heute.

Preissensibilität der Kunden

Ein aktueller Vergleich verdeutlicht wie unterschiedlich spendabel Kunden sein können. Obwohl im 1. Quartal 2016 doppelt so viele Apps bei Google Playstore wie im Apple App-Store downgeloadet wurden, konnte Apple einen doppelt so hohen Umsatz verzeichnen.
Diese Zahlen sollten denen zu denken geben, die günstig Produkte verkaufen in der Hoffnung, dass sie in der Folge durch das Anbieten durch Zusatzleistungen den subventionierten Verkaufspreis ausgleichen können. Ähnliche, nicht direkt übertragbare Erfahrungen habe ich im B2B-Geschäft gemacht: Wer zu hohe Rabatte oder Boni gewährt, wird kaum wieder stark und glaubwürdig handeln können.
Zum App-Store-Artikel: Link